Eine vielsagende Abkürzung, laut Wikipedia gibt es seitenweise Begriffe mit der Abkürzung GEM. Die spassigste ist wohl das Autokennzeichen für «Gmünden am Main». Im Falle des obigen Beitragsbildes handelt es sich aber um das neue «Grand Egypt Museum» bei den grossen Pyramiden, in Aegypten. Im TV habe ich einige Bilder der aktuellen Eröffnung gesehen und Minuten später eine zerstörte Stadt im Gazastreifen. Da sind mir wieder Zeilen meiner Patin aus einem Briefwechsel während des Zweiten Weltkrieges in den Sinn gekommen. Meine Patin verbrachte diese Zeit zwangsweise in Kairo, da eine Rückkehr in die Schweiz unmöglich war. Interessanterweise erreichte der Krieg Kairo nur am Rande und das Leben dort vollzog sich ziemlich normal, zwar teuer und im Sommer brandheiss. So ergab sich Gelegenheit, Land und Leute kennenzulernen.
Nun, das GEM gab es damals noch nicht, aber meine Patin konnte die grossen Statuen und Pyramiden an Ort und Stelle besichtigen und … auch das alte «Egypt Museum» in Kairo selbst gab es schon. Fast wöchentliche Ausflüge ans Meer und in die Wüste begeisterten sie ebenfalls. Auch Ferien waren gelegentlich möglich, und so gelangte sie einmal auch nach Palästina und die angrenzenden Länder, das moderne Israel gab es ja noch nicht. Sie schwärmt in einem Brief, wie sie dort die biblischen Städte besuchen konnte und welch wundervolle Gegend mit lieben Bewohnern es sei. Namen wie Jerusalem, Samarien, Nazareth, Haifa, Beirut, Libanon, Tripoli, Damaskus, Genezareth, Kapernaum, Tiberius usw. kommen in ihrem Reisebericht vor.
Sie konnte nicht ahnen, dass 80 Jahre später dort wieder einmal Hass und Gewalt herrschen würden. Ich frage mich immer wieder: Warum können die Menschen nicht einfach friedlich zusammenleben … und die Umwelt so nutzen, dass diese nicht zugrunde geht … und sich auf die Hilfe am Mitmenschen konzentrieren? Vielleicht müssen wir es im Kleinen und mit uns selbst versuchen.
Da kommt mir noch eine kleine Geschichte am Rande in den Sinn: Die Kolonisten gebärdeten sich in Ägypten zu dieser Zeit recht ungestüm und betrachteten die Einheimischen vor allem als Dienerschaft. Dabei soll es aber graduelle Unterschiede je nach Herkunft der Kolonisten gegeben haben. Schweizer hätten sich noch ziemlich anständig aufgeführt, und das wirkte sich Jahre später einmal für einen wegen Spionage zum Tode verurteilten Landsmann so aus, dass sich Einheimische für ihn einsetzten und die Vollstreckung des Urteils verhinderten. Aber es war schon so, dass es eine Klassengesellschaft gab. Im Privatspital, wo meine Patin arbeitete, gab es im obersten Stockwerk ein «Herrscherzimmer». Für die Allgemeinheit war das Patientenzimmer wohl nicht gedacht, obwohl meine Patin dort bei Krankheit auch einmal gepflegt wurde …

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